Privatverkauf oder Immobilienmakler?

Privatverkauf oder Immobilienmakler?

Steht der Verkauf einer Immobilie bevor, stellt sich jeder unweigerlich die Frage, ob für den Verkauf ein Immobilienmakler beauftragt werden soll oder man die Sache selbst koordinieren möchte. Da es keine gültige Pauschalantwort auf diese Frage gibt, durchleuchten wir objektiv die Vor- und Nachteile, gehen auf die drei “Hauptargumente” gegen Makler ein und versuchen eine gute Entscheidungshilfe zu bieten.

These 1: Makler haben einen schlechten Ruf

Das ist absolut richtig! Verfolgt man aufmerksam die Medien, stellt man fest, dass sehr oft Artikel über Makler negativ behaftet sind. Das ist ganz normal: Mit negativen Schlagzeilen lässt sich Geld verdienen. Niemand interessiert sich für den netten Maklerkollegen, der sich für eine reibungslose Abwicklung eingesetzt hat. Außerdem gibt es wie in jeder Branche schwarze Schafe, die dem negativ behafteten Beruf alle Ehre machen.

Um Ihnen die Bedenken etwas zu nehmen: Es gibt auch wirklich gute Makler – solche, die auch wir beauftragen würden. Vertrauen Sie keinen Online-Portalen, welche Ihnen 3 passende Makler vorschlagen – in 99% der Fälle handelt es sich um den Verkauf Ihrer Daten an Makler, die bereit sind bei erfolgreicher Vermittlung einen Teil ihrer Provision an das Portal abzugeben (und das ist legitim, denn: Sie haben durch das Akzeptieren in die AGBs dieser Vorgehensweise zugestimmt).

Lernen Sie verschiedene Dienstleister kennen und machen sich selbst ein Bild, Makler bieten i.d.R. einen unverbindlichen Ersttermin an – wie so oft zählt der erste Eindruck und das „Bauchgefühl“.

Seien Sie zu Recht skeptisch bei Aussagen des Maklers und Fragen Sie nach – ein Immobilienverkauf ist Vertrauenssache. Werden Ihnen z.B. hohe Verkaufserlöse versprochen, die wider Ihrer gewonnenen Erfahrungen durch die Recherche vergleichbarer Angebote sind, sollten Sie sich eine detaillierte Ermittlung des Verkehrswertes zeigen und erklären lassen.

These 2: Makler machen nichts für ihr Geld

Auch das ist oft richtig – vor allem dann, wenn kein schriftlicher Maklerauftrag vorliegt. Bei einem sog. “Allgemeinen Vermittlungsauftrag” verpflichtet sich ein Makler zu gar nichts. Daher empfehlen wir immer den schriftlichen Maklerauftrag, aus dem hervorgeht, dass der Makler auch tatsächlich tätig werden muss.

Unser Maklerauftrag sieht z.B. folgende Formulierung vor:
“Der Auftragnehmer (Makler) verpflichtet sich, sich intensiv um den Verkauf zu bemühen und alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um einen schnellen Verkauf zum höchstmöglichen Preis zu realisieren.”

Fragen Sie nach den Leistungen, die Ihnen ein Makler für den Verkauf einer Immobilie bieten kann. Keine Immobilie ist gleich – ebenso wenig die Vermittlung. Individuelle Vermarktungskonzepte sollten selbstverständlich sein, die Ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigen und die größtmöglichen Chancen für einen zügigen Verkauf bieten.

These 3: Was ein Makler kann, schaffe ich locker

Das nötige Fachwissen kann sich jeder dank Suchmaschinen und Fachliteratur aneignen – Das ist keine große Kunst für Menschen, welche die nötige Zeit mitbringen und das Interesse, sich in die Materie einzuarbeiten. Praxiserfahrungen hingegen findet man nicht bei Google. Der Immobilienmarkt ist ein vielschichtiges Konstrukt, dass nur mit dem Einsatz von täglicher Beobachtung der (über-)regionalen Gegebenheiten, Preisentwicklungen und politischen Entscheidungen etwas an Transparenz gewinnt.

Bedenken Sie, dass es sich bei dem Verkauf einer Immobilie immer um hohe Vermögenswerte handelt – Nichts sollte dabei dem Zufall überlassen werden, denn: Fehler kosten Sie nicht nur wertvolle Zeit, sondern können im schlimmsten Fall zu hohen finanziellen Verlusten führen. Typische Fallstricke können beispielsweise sein: der falsche Angebotspreis oder die falsche Vermarktungsstrategie, unüberlegte Verhandlungen mit Interessenten, die Haftungsfrage bei Mängeln oder sogar auch eine schlechte Präsentation der Immobilie mit ausbleibenden Anfragen von Interessenten.

Vorteile eines Immobilienmaklers für Eigentümer

Zeitersparnis

Ein Immobilienverkauf ist ein durchaus komplexes und zeitaufwändiges Unterfangen, das neben der typischen 40-Stunden-Arbeitswoche gemeistert werden möchte. Ein Immobilienmakler übernimmt die komplette Vermarktung von Anfang bis Ende, kommuniziert mit Interessenten, klärt rechtliche Gegebenheiten und übernimmt Behördengänge. Einen Einblick in unsere Leistungen finden Sie hier.

Objektivität

Ein guter Immobilienmakler respektiert Ihre Erinnerungen und Ihre Geschichte, die mit dem Verkaufsobjekt verbunden sind. Jedoch wird die Immobilie so gesehen, wie sie ist: Ein Objekt, welches verkauft werden soll. Nicht mehr und nicht weniger. So können objektiv Vor- und Nachteile (die jede Immobilie besitzt) vermittelt werden und vor allem ein marktgerechter und emotionsloser Angebotspreis festgelegt werden.

Außerdem sind Makler ein “neutraler” Ansprechpartner. Niemand überbringt gerne negative Mitteilungen, daher verhalten sich Interessenten oft zurückhaltender gegenüber Eigentümern. Interessenten teilen erfahrungsgemäß eher einem Dritten mit, wieso die Immobilie augenscheinlich nicht zusagt. Einwände und Bedenken können so besser aus der Welt geschafft werden und neue Möglichkeiten für einen Abschluss offenbaren sich.

Marktgerechter Angebotspreis

Sehr oft werden Immobilien mit einem viel zu hohen Preis angeboten. Auf die Frage, wie dieser Preis zustande gekommen ist, ist die Lieblingsantwort: „Man kann es ja erstmal versuchen, runtergehen kann man immer noch.“  Grundsätzlich ist das richtig, jedoch die falsche Strategie für eine erfolgsversprechende Vermarktung.

Stellen Sie sich selbst die Frage, wie eine für Sie optimale Vermarktung aussehen soll.

Variante I:

  • Viel Zeit in die Vermarktung investieren
  • Wenige Anfragen und vereinzelte Besichtigungstermine
  • Kaufpreisangebote, die fast schon unverschämt sind
  • Wenige bis keine Rückmeldungen nach einer Besichtigung erhalten
  • Preisreduzierung aufgrund zu weniger Anfragen

Variante II:

  • Eine möglichst kurze Vermarktungszeit
  • Viele Anfragen erhalten
  • Einige, gute Besichtigungstermine
  • Mehrere Kaufinteressenten, die den Preis von sich aus in die Höhe treiben
  • Eine zügige Abwicklung und Unterschrift auf dem Kaufvertrag

Es ist immer im Interesse des Maklers, einen möglichst hohen Preis zu erzielen, da sich an diesem auch die Höhe der Provision bemisst. Das Ganze muss jedoch realistisch sein. Träumen darf und sollte man auch, jedoch nicht bei einem Immobilienverkauf.

Fachwissen & Praxiserfahrungen

Ein guter Immobilienmakler besitzt fundierte Fachkenntnisse, kennt den (über-)regionalen Immobilienmarkt und besitzt ein gutes Netzwerk aus Dienstleistern und Kooperationspartnern, um schnell und zielgerichtet in allen Belangen und Fragen der Vermarktung weiterhelfen zu können. Zusätzlich ist er Fachmann für Marketing und weiß, wie die Besonderheiten einer Immobilie hervorgestellt werden können. Es gilt immer der Grundsatz: Qualität schlägt Quantität.

Da ein Immobilienkauf kein alltägliches Unterfangen ist, sind Kaufinteressenten zu recht oft verunsichert. Durch nachweisbare Auskünfte, Angaben und einen guten Ansprechpartner, der sich wirklich kümmert, können diese Bedenken oft gelindert oder gar genommen werden: Ein Zugewinn für alle Beteiligten.

Nachteile eines Immobilienmaklers für Eigentümer

Die Maklerprovision: In Hessen bemisst sich die Provision am Verkaufspreis einer Immobilie und beträgt i.d.R. 5,95% inkl. gesetzlicher Mehrwertsteuer. Da wir noch Vertragsfreiheit besitzen und das Bestellerprinzip für Verkäufe noch nicht beschlossene Sache ist, steht es dem Auftraggeber frei, ob er selbst die Courtage bei Erfolg zahlen möchte oder die Maklerkosten von einem Käufer übernehmen lässt.

Auf Käufer hat die Provision oft eine abschreckende Wirkung, da diese die Kaufnebenkosten und somit das benötigte Eigenkapital erhöhen. Dadurch können Anfragen ausbleiben, die Privatverkäufer anderenfalls erhalten hätten.

Selbst für Privatverkäufer, wenn sie denn Ihre Immobilie hochwertig und umfangreich präsentieren möchten, sind die Kosten für eine Vermarktung nicht zu unterschätzen. Vor allem dann nicht, wenn durch eine falsche Vorgehensweise der Verkauf unnötig in die Länge gezogen wird. Diese Kosten hat auch mindestens ein Makler.

Die Provision eines Immobilienmaklers ist abhängig von der erfolgreichen Vermittlung – kommt kein Verkauf zustande, verdient der Immobilienmakler nichts. Transparenz in den Leistungen, in der Arbeitsweise und ein Mehrwert für alle Beteiligten müssen erkennbar werden, um die Höhe der Provision nicht als notwendiges Übel, sondern als verdiente Entlohnung des Maklers anzuerkennen.

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